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Es werden Posts vom 2010 angezeigt.

Jelinekeske Busenfreunde

Empfohlen sei an dieser Stelle ein nicht mehr ganz neuer, kleiner, bitterböser, trauriger Film: "Der Busenfreund" von Ulrich Seidl (1997). In einer verlotterten Wiener Wohnung lebt der ehemalige Mathematiklehrer Rene Rupnik mit seiner alten Mutter. Sein Frauenideal: Die Schauspielerin Senta Berger. Und vor allem ihre Figur. Die Brüste der Berger reizen den Mathematiker zu einer Abhandlung über Sinus und Cosinus als Sinnbild der weiblichen Schönheit. Unter der Oberfläche von Verehrung und Anbetung wuchern bei dem noch unberührten Junggesellen Gewaltphantasien: Demütigung, sexuelle Obsession, Frauen- und Selbsthass mischen sich hier zu einem explosiven Gebräu. So abgedreht und einzigartig der Sonderling Rupnik auch wirkt, so genuin entspringen seine Obsessionen und Phantasien doch dem Herz der modernen - nicht nur österreichischen - Gesellschaft. Ein Film, als hätte die Jelinek das Drehbuch diktiert. Sehenswert!

Kommunistin und schwarze Köchin

Eine "schwarze Köchin" nennt Elfriede Jelinek die Schriftstellerin Gisela Elsner, eine Schwester im Geiste, die lange vor Jelinek, bereits in ihrem 1964 erschienenen Debut "Die Riesenzwerge", die Verlogenheit und Enge der bundesdeutschen Nachkriegsgesellschaft inklusive ihrer Faschismus-Amnesie mit großer Klarheit und scharfem Humor aufgespießt hat. Die "schwarze Köchin", das ist die mythische Figur, die den Kinder Angst einjagt und vor der man wegrennen muss.
Buchstäblich weggerannt ist sie tatsächlich, die bundesdeutsche Öffentlichkeit. Selten wurde eine Schriftstellerin nach ihrem gefeierten Erstlingswerk so sehr in die Ecke gedrängt, geschnitten, schließlich vergessen wie die Elsner. Heute scheint sie höchstens noch durch den Film "Die Unberührbare", eine zwiespätige, allerdings bewegende filmische Annäherung ihres Sohnes Oskar Roehler, in Erinnerung zu sein. Angst eingejagt hat Elsner - die "Kleopatra" - dem bildungsbürgerlichen Pu…

Age of lauwarme Ratschläge

Michel Foucalt hat gewusst, wovon er sprach, als er die Psychologie als säkularisierte Pastoralmacht mit dem unwiderstehlichen Hang zur Beichte und zum Geständnis entlarvte. In allen Medien wird man heute mit pseudopsychologischen Ergüssen und Ermahnungen behelligt. So titelt yahoo "Was Single-Frauen falsch machen". Hier wird dann auf das Buch einer gewissen Lori Gottlieb verwiesen, das folgende bahnbrechenden Erkenntnisse bereithält: "In "Nimm ihn!: Einen Richtigeren findest du nicht" erklärt Lori Gottlieb, warum zu hohe Ansprüche der Liebe schaden. Es käme weniger darauf an, nach dem Traumprinzen zu fahnden. Stattdessen sollten gerade Frauen überdenken, was wirklich wichtig ist." Aha. Msn berichtet heuchlerisch über die "sieben Todsünden-Tools", "bei denen nur noch die virtuelle Software-Beichte hilft", um diese dann gleich zum Download anzubieten.
Neben einem allgemeinen, sich heute wieder ausbreitenden Hang zum Aberglauben (welchen …

Anonyme Taliban

Warum nur stelle ich mir beim "Aussteigerprogramm für Taliban", diesem sicher gutgemeinten Soft-Power-Instrument der Bundesregierung für Afghanistan, unweigerlich eine Selbsthilfegruppe vor?
"Und du, schaffst du es heute?" - "Ich schaffe es, ich schneide mir den Bart ab! Vor allen, gleich jetzt!" - "Ich ... ich bin rückfällig geworden und habe eine Frau, die mit Minirock rumlief, steinigen wollen" ..., etc.
Wohlfühl-Botschaften mit leicht pastoralen Zügen verbreitet auch unser Außenminister, der, zu seinen Visionen diesbezüglich befragt, sagt: "Es gibt viele Mitläufer der Taliban-Terroristen, die nicht aus fanatischer Überzeugung, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen auf einen falschen Weg geraten sind".
Daher weht nämlich auch der Wind: Beim Aussteigerprogramm geht es nicht um Selbsthilfegruppen, sondern um Dollars. Cash. Man möchte ja armen, gebeutelten Ex-Taliban, die sich in mühsamer Selbstzermürbung (siehe oben) von ihrer Ideo…