3/24/2018

Vater erzählt vom Verstummen


Mein Vater erzählte vom Blut nach der Geburt eines Kindes auf dem Dorf, von der Stimmung eines blauen Nachmittags, und von der Ärztin, die sieben Mal abgetrieben hatte. Er erzählte von einem heißen Tag in Heidelberg, von den Fahrten im Schulbus, bei denen er kein Mädchen ansprechen durfte, weil sonst seine Mutter ihm eine Backpfeife verpasst hätte oder Schlimmeres oder ihn im Hof hätte knien lassen auf einem Brett, er sprach vom berühmtem Philosophen und seiner Art, durchs Zimmer zu laufen, und ich schwöre, sage ich zu Elsa, der Mann war da, lief vor mir durchs Zimmer, ich sage: der blaue Nachmittag war da, ich konnte ihn um mich spüren, und das, sage ich, war, warum immer Menschen um Vater waren, sie zerrten an ihm, wollten etwas von ihm, sahen ihn als stark, und nur wir wussten, dass er hinterher, wenn alle weg waren, wenn er zu Ende erzählt hatte für den Tag, in ein tiefes Starren verfiel, als sei jemand ganz leergeräumt worden, ausgenommen worden, als seien jemandem die Eingeweide abhanden gekommen bei lebendigem Leib.

Raum


Wenn du gehst, suchst
du den Raum. Niemand
zeigt dir den Weg

Am Horizont ist er sichtbar
Als Punkt, alle Linien
Laufen auf ihn zu

Es gibt ihn, und läge
Er hinter Tapeten
Verschwändest du
Dorthin 

Vater geht los

Vater geht los mit dem Einkaufsnetz Sehe ihn gehen im Winter, im plötzlichen Regen des Sommers, gib acht, die Maschen  Sind dünn. ...