9/17/2011

Ausrastende Frauen

Wenn erwachsene Frauen in deutschen Filmen ausrasten, zerbrechen sie Tassen, wischen Dinge vom Tisch, trommeln darauf herum oder an die Brust von jemandem und wirken vollständig unsouverän, emotional und abgedreht. Das soll vielleicht irgendwie realistisch rüberkommen; jedoch habe ich im realen Leben niemals eine Frau so ausrasten sehen. Mich erinnern diese Darstellungen vielmehr an Freuds "Studien über Hysterie" (1895):

"Es bestanden zwei ganz getrennte Bewußtseinszustände, die sehr oft und unvermittelt abwechselten. [...] In einem kannte sie ihre Umgebung, war traurig und ängstlich, aber relativ normal; im anderen hallucinierte sie, war "ungezogen", d.h. schimpfte, warf die Kissen nach den Leuten, [...], riss mit den beweglichen Fingern die Knöpfe von Decken und Wäsche und dgl. mehr."

Die Frauen im Film rasten auch nicht aus wie Männer, die dabei irgendwie cool, souverän und Herren der Lage bleiben. Als kleine Illustration hier eine Szene aus Über uns das All, dessen Qualität ich damit gar nicht beurteilen möchte, zumal ich Sandra Hüller für eine hervorragende Schauspielerin halte.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Ich kenne einige Menschen, die genau so ausrasten, wenn sie ausrasten. Inklusive mir selbst. Das ist ein bedauerlicher Kontrollverlust. Und ein Zeichen von Verzweiflung und Ohnmacht und ungeheurem Schmerz. Und damit vielleicht auch von Schwäche. Es ist auch bedauerlich, dass möglicher Weise in Filmen eher Frauen so dargestellt werden. Aber es findet statt. Und Du weißt das auch.

Vater geht los

Vater geht los mit dem Einkaufsnetz Sehe ihn gehen im Winter, im plötzlichen Regen des Sommers, gib acht, die Maschen  Sind dünn. ...