2/18/2009

Zuversicht hat einen Namen: Kim Jong-Il

Dank sei dem Freund meines Freundes, der den Hinweis auf den wunderbaren Korean News Service gab. Dieser Service liefert Nachrichten, die klar machen: Unter der Sonne Koreas ist die Welt noch in Ordnung! Finanzkrise? Rezession? Trübsal blasen? Keine Spur! So heißt es, zuversichtlich, Mut machend und kein bisschen bescheiden, wie es eben so die Art des "größten Führers der gegenwärtigen Ära" ist: "Kim Jong Il, Greatest Leader of Present Era. Pyongyang, February 13 - The Korean people and the world progressives are lauding Kim Jong Il as the greatest leader of the present era who is demonstrating the dignity and the national power of the socialist Korea all over the world and is guiding the cause of independence against imperialism to the victory." Während alle Welt schwammig vom Frieden faselt, spricht man hier in Nordkorea aus, was alle wissen - nur Aufrüstung bringt Stärke. Nicht ganz unbescheiden freut man sich dementsprechend: “Kim Jong Il, who ushered in a new age of the Juche-oriented revolution with his great Songun revolutionary leadership, saw to it that the army building and activities have been undertaken strictly in accordance with the requirements of the Juche idea. He has thus developed the People's Army into an invincible revolutionary strong army and turned the DPRK into a country with world-class military strength.”
Was aber hat das “Juche”, nicht zu verwechseln mit “juchhe!”, was der weltgrößte Leader ja angesichts der militärischen Fortschritte ausrufen könnte, mit der ganzen Sache zu tun? Es handelt sich dabei um nicht weniger als um eine ganz eigene Philosophie. Möchte man mehr darüber erfahren und konsultiert ein Dokument mit dem viel versprechenden Titel "Einige Probleme zum Verständnis der Juche-Ideologie. Nach einem Gespräch mit Parteipropagandisten, 2. April 1974", muss man sich allerdings erstmal die Ohren waschen respektive zusammenstauchen lassen. Mit leiser Ironie und einem Hauch Bitterkeit heißt es: „Vor kurzem erhielt ich von einem Gesellschaftswissenschaftler einen Brief, in dem er seine Meinung bezüglich der Juche-Philosophie darlegte. Seinen Äußerungen nach zu urteilen, hat unsere Fachwelt, so kann man sagen, immer noch keine klaren Vorstellungen von dieser Philosophie.“ Dann aber lässt man uns die süßen Früchte der jahrelangen gedanklichen Arbeit des Großführers kosten, wenn erklärt wird: „Die Juche-Philosophie ist eine neue Weltanschauung, die vom Genossen Kim Il Sung begründet wurde. Sie ist die Philosophie, die ihre vorrangige Aufmerksamkeit auf den Menschen richtet, eine Philosophie, bei deren Verwirklichung und Systematisierung der Mensch in den Mittelpunkt gestellt wurde. Das bedeutet aber nicht, dass sie eine Philosophie ist, die einfach theoretische Fragen über den Menschen untersucht und klärt. Vielmehr richtet sie bezüglich der Grundfrage der Philosophie ihre größte Aufmerksamkeit auf den Menschen und untermauerte die Ansichten über die Welt mit dem Menschen als Mittelpunkt, die klare Einstellung zur Welt."
Der Mensch machts also - und unsere Zuversicht hat einen Namen: Kim Jong-Il, seines Zeichens größter Führer der gegenwärtigen Ära.

2/08/2009

Arme Schnorrer

Von armen, alternden Punks war ja schon die Rede. Aber auch die Schnorrer sind nicht mehr das, was sie mal waren. Neulich ging ich so in Richtung Supermarkt, da saß ein Typ auf der Straße. Er war jünger als ich, sah ganz nett aus, und er fragte, ob ich ein bisschen Geld für ihn hätte. Ich meinte wahrheitsgetreu, dass ich nur ganz kleines weniges Kleingeld hätte - ich war zudem noch generell ziemlich pleite an diesem Tag, Konto bis zum Dorthinaus überzogen -, und ich sagte dann noch, dass ich ihm also höchstens das ganz kleine Kleingeld geben könne. Fünfzig Cent würden schon zusammenkommen, aber eben nicht mehr.
Der Typ lächelte traurig. Er meinte dann, für mich überraschend: "Ich kauf mir eh nur Alkohol davon!" Als ich verduzt schaute, meinte er: "Kauf mir lieber eine Brezel, da nebenan, dann kaufe ich mir wenigstens keinen Alkohol". Ich war aber zu verblüfft, um seiner Bitte Folge zu leisten. Hat der Arme die Ermahnungen braver Bürger internalisiert, die immer sagen: "Dem geb ich nichts, der kauf eh nur Alkohol!" Wollte er mir den Wind aus den Segeln nehmen? Oder doch tatsächlich eine Brezel? Leider konnte ich meine Verblüffung nicht überwinden. Ich drückte dem armen Schnorrer schnell die ungefähr fünfzig Cent in sehr kleinem Kleingeld in die Hand, murmelte sowas wie "Alkohol is nich gut, das stimmt wohl", und machte mich vom Acker. Schnorrer sind auch nicht mehr das, was sie mal waren, dachte ich.

Ihr Biologisierer der Welt!

Die Biologisierer der Welt, also jene Forscher, die sämtliches Sozialverhalten des Menschen aus biologischen Ursachen herleiten, haben momentan sowas von diskursive Überhand. Nichts gegen die Evolutionsbiologie! Die muss man ja momentan schon wieder gehen durchgeknallte Kreationisten verteidigen. Aber, liebe Damen und Herren Biologisierer, deswegen alles, was Menschen tun, auf biologische Ursachen zurückzuführen, ist das nicht ein bisschen simpel? Das mit den Männern und Frauen kennen wir ja schon lange. Aber es treibt immer bizarrere Blüten. Zum Beispiel: Männer seien gegenüber Frauen spendabler, wenn die ihre fruchtbaren Tage haben. Da frage ich mich dann immer: Wie erforschen die das überhaupt? Fragen die Stripperinnen nach ihrem Eisprung und beobachten dann hinter einem Vorhang sitzend, wie viele Scheine Männer diesen zustecken? Und: Wer finanziert überhaupt so einen Schrott? Neulich las ich einen Artikel in der Zeitung: Das Bedürfnis nach Konformität sei auch biologisch zu erklären. Forscher haben dann unglaublich aufwändige Studien betrieben, mit irre vielen Probanden, um herauszufinden: Menschen verhalten sich konform, weil sie dann ein stärkeres Gemeinschaftsgefühl haben. Na so was. Manchmal reichen die Erklärungen auch stark ins Menschenverachtende hinein. So will ein Forscher herausgefunden haben, warum sich Menschen altruistisch verhalten und anderen helfen. Das hört sich dann so an: "Die Verwandtenunterstützung ... sichert den Fortbestand eigener Gene." Wie soll ich das verstehen? Wenn mir meine Kusine das nächste Mal wieder ihr Auto ausleiht, soll ich ihr dann entgegentreten und sagen: Ich weiß, was Du willst, Du falsches Stück! Dir geht es nur darum, deine Gene zu sichern! Ihr Biologisierer der Welt - lebt ihr gerne in der Welt, die ihr solcherart entwerft?

Vater geht los

Vater geht los mit dem Einkaufsnetz Sehe ihn gehen im Winter, im plötzlichen Regen des Sommers, gib acht, die Maschen  Sind dünn. ...