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Posts

Es werden Posts vom 2016 angezeigt.

Ryoba Ride Publikation

Zwei Schwestern und eine Säge ... ich freue mich über die Aufnahme meines Texts "Ryoba Ride" in den neuen Band des Würth-Literaturpreises "Kurz-Info Schränkung und Blattstärke". Das Motto kann nur von Kathrin Passig und Clemens Setz stammen.

Birgit Hofmann: Ryoba Ride, in: Kurz-Info Schränkung und Blattstärke. 27. Würth-Literaturpreis, hrsg. von Dorothee Kimmich und Philipp Alexander Ostrowicz, Künzelsau 2016, S. 51-58.

Wasserbombe (Aus: Dinge als Kind)

Orangenfarmer

Freue mich über den unlängst erschienenen Band "Von Aprikosen und Angsthasen" des Fördervereins deutscher Schriftsteller Baden-Württemberg. Darin: meine Kurzgeschichte "Orangenfarmer" -- vom Ende der Utopien.

"Vom Wohnzimmer aus werdet ihr auf den Orangenhain sehen. Ihr werdet dort sitzen, wenn Regen fällt. Wenn es heiß wird. Manche mit angezogenen Beinen. Leise sprechen werdet ihr, mit angehaltenem Atem. Zeit ist keine Zeit: aus dem Zusammenhang gefallene Stunden.
So spricht der Farmer zu uns, und immer ist das Mädchen an seiner Seite. Orangenfarmer, so nennt mein Bruder den in fließende Gewänder mit Schlangemuster gekleideten Mann, dessen wettergegerbtes Gesicht seine Geschichten zu beglaubigen scheint. Klar stehen sie vor uns, wie die Adern an seinen Armen, zeichnen sich ab in der Dunkelheit der Gänge und noch vor den helleren Fenstern, wo es immer nach Zimt riecht, nach Ferne und nach dem Traum vom Orangenhain, den wir alle teilen."

Orangenfarmer, in:…

Brieffreunde

Würdevoll ausrutschen

Die Dinge ähneln sich, und ähneln sich doch nicht: Mit zwanzig in einer Bierlache auszurutschen, bedeutet: Hey, Punk, dein Leben ist wild, okay, du bist mit den richtigen Leuten unterwegs.
Mit vierzig bedeutet es: Hey, du warst gerade aber mächtig in Eile, musstest noch kurz vor Ladenschluss in den kleinen, von Touristen und Betrunkenen zugewimmelten Supermarkt huschen. Dann auch noch vergessen, dass dein Mann deinen Geldbeutel eingesteckt hat und vor den Augen ungeduldig wartender Touristen, Betrunkener und weniger Altstadtbewohner hysterisch versuchen, ins Freie stürmen, um von eben jenem Mann, der dort mit Kind wartete und der eh nicht verstehen konnte, dass du wegen dieses mittelguten Bergkäses und der Nussmischung unbedingt noch in die kleine Klitsche wolltest, die Börse zurückhaschen, was aber nicht gelang, da du auf dem Weg zur Tür, unter den Augen aller, auch des wenig beeindruckten Kassierers, auf dem feinen Bierfilm, der sich gleichsam schon durch die Ausdünsti…

Männer in den 70ern

Männer waren, glaube ich, viel dünner als heute. Manche sahen aus wie Habstarke, und zur Lederjacke passte ein alkoholisches Getränk. Alle Väter tranken viel, man trank ständig und ohne Pause, auf der Straße, in Talkshows, zuhause, man rauchte auch, man rauchte und trank wie es einem passte, und Kinder wurden losgeschickt, um Zigaretten zu holen. Selbst Akademiker rauchten HB Zigaretten, und manche tranken Fusel-Wein, und praktisch kaum jemand war so wählerisch wie heute, und die Männer hatten kein Wein-Abo. Das heißt, als ich ein Kind war, hatten die Erwachsenen, allen voran die Männer und Väter, ständig einen sitzen, waren unaufmerksam, benebelt. Natürlich fiel uns das nicht auf, wir hatten ja keinen Vergleich, und auch ich ging brav Zigaretten holen, und einmal erlebte ich dabei etwas Glückliches: Der Automat war offenbar kurz zuvor geknackt worden, wie ich es mir heute erkläre, damals aber erschien es mir einfach als ein Wunder, dass alle Türen mit Zigaretten offen waren und dass,…