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Es werden Posts vom April, 2014 angezeigt.

Dinge als Kind: Zinnoberrot

Zinnoberrot. Rot der Kristalle, in dem die Sonne wohnt: Als ich das Wort zum ersten Mal hörte, hielt der Zeiger der Uhr den Atem an. Schlucken. Das Rot schon aufgeschäumt. Meine Kinderhand trocken, mit feinen Rissen in der Beuge zwischen Zeigefinger und Daumen. Der Pinsel drehte sich, noch tiefer ins Rot, damit sich die Borsten tief einfärbten, dann erst malte ich einen Strich auf dem Papier, die Frau sagte: „Zinnoberrot“, ich ließ das Wort noch eine Weile im Mund, schaute nach oben, zum Fenster und versuchte herauszufinden, wie viele Stunden es seien, bis mein Vater wiederkäme.
Welche Farben ich als Kind kannte: das Rot meines Pullovers im Schnee, auf dem Weg zur Schule, weiß und rot, der Himmel hellblau, schneeblau, und es leuchtete eine Sonne aus dünnem, fast durchsichtigem Papier in gelb auf dem Fenster des Klassenzimmers. Und so malte ich Sonnen, nur so kannte ich Sonnen – die am Himmel war zu abstrakt und fern, ein Schwarm Licht, der mir keine Kontur offenbarte und, obwohl für al…