7/27/2013

Kein Flug

Morgenheiß, Beeren, dicht
Gedrückt am Zaun, raschelt
Es. Schwillt. Blick nur die Hand
An (alle fünf Finger, alle sind
da).

Torbögen, lose, die Häuser ge-
drückt, als tauche sie wer unter 
Wasser, als träte ein Auge dir über 
(Macht man mit Katzen. Immer
noch so).

Im Nacken die Häuser, sie laufen
Dir nach: (kratzen die Sonne), schon
Warst du weg, schon ist Mittag, kehrst
Du um: Schmeckst Schweiß blutig
Im Mund.

Schau tief hinab, schau auch ins Laub:
Klebt noch ein Abdruck da, unter den
Früchten: findest du wieder den Vogel,
(verletzt): hüpft er am Boden, hüpft nur,
Fliegt nie.

7/13/2013

Falsche Freunde

Serienmörder faszinieren. Ihre Taten regen zur Phantasie, ihre Person zur Fiktionalisierung an - so dass im kulturellen Gedächtnis fast kein Unterschied mehr zu bestehen scheint zwischen Charles Manson und "Hannibal Lecter". Leicht geraten literarische oder filmische Produkte dabei in den Sog ihrer eigenen Ästhetik der Gewalt. Der im letzten Jahr erschienene Comic Mein Freund Dahmer, der den Werdengang des Serienkillers Jeffrey Lionel Dahmer nachzeichnet, entzieht sich dieser Gefahr durch Stil und Erzählperspektive.

Dahmer, Sohn eines Physikers, ermordete zwischen 1978 und 1991 mutmaßlich siebzehn junge Männer, an deren Leichen er sich verging. Der Serienkiller begegnet uns im Comic als Schüler - geschildert wird seine Jugend als verschrobener Außenseiter aus der Sicht seines ehemaligen Klassenkameraden Derf Backderf. Nur auf den ersten Blick klammert "Mein Freund Dahmer" dabei die eigentlichen Morde aus. Im lässigen Stil der Underground-Comics der 1970er Jahre bietet das Buch einen grausamen Einblick in die Abgründe menschlicher Einsamkeit und eine unaufgeregte Reflexion darüber, wie Gewalt entsteht - wie aus einem Außenseiter mit quälenden sexuellen Phantasien ein brutaler Killer wird.

Vater geht los

Vater geht los mit dem Einkaufsnetz Sehe ihn gehen im Winter, im plötzlichen Regen des Sommers, gib acht, die Maschen  Sind dünn. ...