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Es werden Posts vom Juni, 2012 angezeigt.

Wiedergelesen: J´ ai tué ...

„Die Sonne ist den ganzen Tag über den Himmel gewandert. Ich wollte sie für uns entzweischneiden. Ich hätte dir das größere Stück überlassen, wie früher bei der Lammschulter.“



Ich habe Emma S. getötet: So heißt das Buch der Autorin Emma Santos, das 1976 in der édition des femmes erschienen ist und das mit dieser Selbstauslöschung einer obsessiv Liebenden endet: „In dem Augenblick, als er am 2. Juli 1975 nicht zu der Verabredung beim Psychiater gekommen ist, habe ich Emma S. getötet, Emma S., die Schriftstellerin, mit einem vom MANN auferlegten Namen, seinem Namen, literarische und psychiatrische Frau ...“. Emma S., ein Pseudonym – die Autorin ist tatsächlich ‚tot‘, im Sinne der Rezeption zumindest: Kaum eine Spur von ihr im Internet, die irgendwann in den 1940er Jahren geboren, und früh, 1983, gestorben ist. Die Bücher: vergriffen.
Sicherlich, vieles, was in „Emma S.“ steht, erinnert an die typischen Merkmale der 1970er Frauenliteratur: die Frau als die unterdrückte, vom Mann gemachte, …

Jenseits des Geniebegriffs

Vom "Genie" haben die Deutschen besondere Vorstellungen. Genie und Wahnsinn liegen darin bekanntlich dicht beieinander. Auch das Leiden der Anderen gehört dazu - die Tyrannei erscheint als kathartische Angelegenheit.
Einer, auf den viele dieser Genie-Attribute zutreffen, war der Filmregisseur Rainer Werner Fassbinder, dem das deutsche Kino einige seiner verstörendsten und beeindruckendsten Filme verdankt. Dass die Künstler in Fassbinders Umfeld von seinem Wesen nicht nur inspiriert, sondern auch gequält waren, ist bekannt. Die Süddeutsche Zeitung beleuchtet einige der Schicksale in Fassbinders Umfeld:

http://www.sueddeutsche.de/muenchen/fassbinders-frauen-und-maenner-liebe-hass-und-abhaengigkeit-1.1371311
Träume:
I. "Redakteurinnen"


Als Redakteurinnen waren unsere Aufgaben vielfältig, ich will nicht sagen, unerfüllbar: Wir mussten morgens früh, wenn der Tau auf den Gräsern lag und die Finger vor Kälte juckten, zuerst den alten blauen Eimer ausleeren, der vor dem Haus stand. Der Schwall des Wassers – ein Geräusch wie eine heftige Regenflut, eine Sintflut, die alles mit sich wegreißt. Die Ausübung dieser Aufgabe habe eine kathartische Wirkung, hatte man uns erklärt. Zugleich mit dem Wasser spülten wir unsere alten Existenzen, den Schmutz der Vergangenheit, das Gestern und die Fehler davon. Und die kleinen Fliegen, die sich gerade im Sommer zu Dutzenden auf der Wasseroberfläche wanden, zuckten, und die, ertrunken, eine Insektendecke bildeten.