4/28/2012

Utopisches

" ... Ist es uns doch nicht eingefallen, ihn zu fragen, noch ihm von freien Stücken zu sagen, in welcher Gegend des neuen Welttheils Utopia liegt. Lieber möcht' ich es mich eine ziemliche Summe Geldes haben kosten lassen, als daß uns das widerfahren wäre, theils, weil ich mich wirklich schäme, nicht zu wissen, in welchem Weltmeere die Insel liegt, über die ich so viel schreibe, theils weil es den Einen oder Andern bei uns gibt, Einen aber vor allen, einen frommen Mann, von Beruf Gottesgelehrten, der vor Begierde brennt, Utopien zu betreten, nicht aus einem eiteln und neugierigen Gelüsten, Neues zu sehen, sondern um unsere Religion, die dort einen vielversprechenden Anfang genommen hat, zu fördern und zu verbreiten. 

Um dies in regelrechtem Gange zu erreichen, will er bewirken, daß er vom Papste dorthin gesendet, dann von den Utopiern zum Bischof gewählt wird, indem er keinen Augenblick bezweifelt, daß er zu dieser Vorsteherwürde durch Bitten gelangen werde. Er hält dies für einen frommen Ehrgeiz, nicht den Rücksichten auf weltliche Ehren und Gewinn, sondern religiösen Motiven entsprungen. Darum bitte ich Dich, lieber Peter, entweder, wenn möglich, mündlich, sonst aber brieflich, dem Hythlodäus anzuliegen, daß in meinem Werke nichts Falsches stehen bleibe, aber auch nichts, was wahr ist, vermißt werde." (Thomas Morus, Utopia)

Werkstatt: Anfang eines aktuellen Texts:


Mit deinem Alleinsein damals habe ich nichts zu tun.
Als du mutterseelenverlassen gespielt hast auf dem Beton, mit Ameisen, oder gegen die Ameisen, an einem Tag im Spätfrühling; die Ameisen, die ja sich hatten, ihren Stamm Schwarm, und du hast draufgehauen, bis sie kleine Matschflecken waren, winzig. Es war kühl geworden, aber deine Mutter rief dich nicht, schon den dritten oder vierten Tag hast du auf ihre Stimme gewartet und immer härter geschlagen, kleiner, vor Wut ganz gespannter Junge, ein Körper Pfeil, wie du aufgestanden bist, die Haare zurückgeworfen, die Hände in die Taschen – waren sie zu Fäusten geballt? – Und wieder kein Ruf. Nur der Wind, stärker werdend in der Siedlung, streicht über das letzte Gras.


Von Menschen und Pflanzen

Eine Empfehlung - die Künstlerin Elizaveta Porodina, in deren Bildern menschliche Körper und Pflanzen ineinander über gehen:

Elizaveta Porodina, 2. Platz Sony World Photography Awards 2012, nur für diese BIGA verwenden.

Vater geht los

Vater geht los mit dem Einkaufsnetz Sehe ihn gehen im Winter, im plötzlichen Regen des Sommers, gib acht, die Maschen  Sind dünn. ...