6/13/2009

Beurteilt zu drei Jahren

Immer, wenn man nicht genug Geld hat, um ein System generell zu verbessern, wird geratet. Das fing vor einigen Jahren auch im Universitäts-Bereich an. Statt die Dozenten anständig zu entlohnen für ihre Seminare, wurde evaluiert, was das Zeug hielt. Wie viele moderne Medien benutzt der Dozent? 17 von 29 Studenten finden, der Dozent habe "genügend Medien" eingesetzt. Ok, und was heißt das nun? Macht der Medieneinsatz denn den gleichen Sinn in einem Seminar über Film wie in einem über Aristoteles?
Evaluationen wurden aber nicht nur zum Instrument der Leistungsbeurteilung "von oben", sondern auch zum quasi-"verbraucherfreundlichen" Pranger im Internet, kamen also "von unten": Prüf den Prof, den Klempner, den Lehrer. Nun sollen also auch die Ärzte bewertet werden. Von den "Kunden". Beurteilungen solcher Art gibt es im Netz schon länger. Einmal ging ich zu einem als besonders "nett" gerateten HNO-Arzt,der mich anherrschte, weil ich zur Begrüßung hatte niesen müssen. 52 von 60 Patienten meinen aber, der Arzt sei "nett". Mein eigentliches Problem ist aber nicht diese kleine Unerfreulichkeit, sondern die Tatsache, dass ich Kassenpatientin bin. Ich darf einige Ärzte überhaupt nicht in Anspruch nehmen, muss länger warten, bekomme viel schwieriger Facharzt-Termine als früher, als ich privat versichert war. Dass sich die Zahlungsfähigkeit des Patienten auch auf die Laune des Arztes auswirken kann, ist der eigentlich Skandal. Insofern weist das Urteil zu den privaten Krankenkassen in die richtige Richtung und bekommt von mir fünf von fünf Sternen. Mindestens.

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