6/27/2009

Iran von links

Schön, dass man in einigen altlinken Zeitungen noch weiß, wo der Feind steht. So heißt es in der "jungen Welt": Die Vorwürfe gegen Ahmadinedschad seien "unbewiesen". Vergleicht man den Iran mit der USA - in einem launigen kleinen "Quiz" - kann dabei nur Folgendes herauskommen: "Welches größere Land hat seit 1980 mehr Präsidenten gewählt als alle anderen in der Welt? [...] Iran. Seit 1980 wurden dort sechs Präsidenten gewählt, während die USA mit fünf einen knappen zweiten Platz belegen und Frankreich den dritten."
Juchhu, gewonnen! Denn schließlich ist der Iran ja auch ein Land mit der "Tradition ordentlich durchgeführter Wahlen". Zwar gibt man zu: "Ahmadinedschad ist sicherlich kein Sympathieträger. Er ist ein Ideologe, er handelt provokativ und manchmal unüberlegt." Aber ein Diktator - das ja wohl nicht! "Aber den Kampf in Iran als einen zwischen demokratischen Kräften und einem »Diktator« zu charakterisieren, ist ein Ausdruck totaler Ignoranz gegenüber der inneren Dynamik Irans oder eine absichtliche Verzerrung der Realitäten."
Für Jürgen Elsässer sind die Demonstranten gegen die iranische Regierung gleich Imperialisten-Knechte "im Auftrag oder wenigstens im Sinne des Imperialismus", sprich: "Discomiezen, Teheraner Drogenjunkies und die Strichjungen des Finanzkapitals". Auch die Demonstranten gegen Milosevic damals waren übrigens "west-finanziert". Auf Seiten der alten Linken weiß man eben, wem man vertrauen kann! Früher war es Väterchen Stalin, zwischendrin Milosevic, heute Ahmadinedschad. Alles zwar keine "Sympathieträger", aber sie haben ihr Volk ja wohl im Griff - und sind immer noch besser als diese "westfinanzierten" imperialistischen Arschlöcher von Demonstranten. Daher ruft Elsässer dem iranischen Barttärger auch gerne zu: "Glückwunsch, Ahmadinedschad!" Und freut sich über den Wahlausgang: "Eine schöne Schlappe für den Imperialismus im Iran!"
Gut, dass wir - gerade angesichts der derzeitigen Krise - eine solche Linke haben, dann kann ja nicht viel schief gehen!
http://juergenelsaesser.wordpress.com/

Glamour Missing

Waren Krisen früher auch so glanzlos? Jedenfalls beamen einen Übschriften wie "VW und Niedersachsen stellen Porsche Ultimatum" mit einem Klick in die triste deutsche Wirtschaftskrisenrealität. Nichts gegen Niedersachsen.

Jackson Verschwörung

Als ich zu P. sagte: "Wahnsinn, da wird das Schicksal der iranischen Demonstrierenden von aller Welt verfolgt und dann - plötzlich - stirbt Michael Jackson und zieht alle Aufmerksamkeit auf sich. Und am Ende kann dann noch das Regime mit ihnen machen, was es will." P: "Du meinst, der iranische Geheimdienst hat Jackson ...?"
Nun sammeln wir Beweise.

6/24/2009

Hardliner, Softliner

Die Ereignisse im Iran mit Spannung verfolgend, krame ich nach Wissen aus meinem lange zurückliegenden Politikstudium: Also, die Softliner und die Oppositionellen, die müssen da irgendwie an einen Tisch ... Oder sollte man sich, da sowieso niemand den Umbruch 1989 vorhersah (außer vielleicht ein paar wenige verquere Systemtheoretiker, sowie die prophetische Familienministerin Ursula Lehr, die laut meiner verschwommenen eigenen Erinnerung 1988 in der HÖRZU davon sprach, die DDR werde es nicht mehr lange geben) eher auf die eigene Intuition verlassen? Hm. Oder wie war das nochmal mit den Hardlinern?

6/19/2009

Guter Slogan, schlechter Slogan

Im Gegensatz zum ewig gleichen Slogan vom "Tod der Bildung" - gerne tragen Demonstranten dabei einen selbst gebastelten Papmachee-Sarg vor sich her - gefällt mir dieser Slogan der aktuellen Bildungs-Demonstrationen wirklich gut:
"Reiche Eltern für alle!"

6/18/2009

Diktatur 2.0

Im Schatten der tatsächlich atemberaubenden Ereignisse im Iran rüstet Nordkorea weiter für den Krieg der Welten. Dazu ist natürlich Geld nötig. Während frühere Diktatoren ihre Scherflein durch das Auspressen von Bauern und Arbeitern, Enteignung und Massenmord ins Trockene brachten, zieht Kim Jong-Il sein ganz eigenes Ding durch: Wie nun bekannt wurde, erhielt Nordkorea mehrere hundert Millionen Dollar von Versicherungsunternehmen. So meldete die nordkoreanische Regierung zum Beispiel Transportunfälle, Fabrikbrände, Flutschäden und andere Katastrophen, um Versicherungsgelder zu kassieren. Unter Stalin wurden angebliche "Sabotageakte" gern mal benutzt, um konkurrierenden Genossen den Garaus zu machen. Nun verlangt man für die eigenen Katastrophen-Phantasien lieber Geld von den Kapitalisten. Auch nicht schlecht!

6/13/2009

Beurteilt zu drei Jahren

Immer, wenn man nicht genug Geld hat, um ein System generell zu verbessern, wird geratet. Das fing vor einigen Jahren auch im Universitäts-Bereich an. Statt die Dozenten anständig zu entlohnen für ihre Seminare, wurde evaluiert, was das Zeug hielt. Wie viele moderne Medien benutzt der Dozent? 17 von 29 Studenten finden, der Dozent habe "genügend Medien" eingesetzt. Ok, und was heißt das nun? Macht der Medieneinsatz denn den gleichen Sinn in einem Seminar über Film wie in einem über Aristoteles?
Evaluationen wurden aber nicht nur zum Instrument der Leistungsbeurteilung "von oben", sondern auch zum quasi-"verbraucherfreundlichen" Pranger im Internet, kamen also "von unten": Prüf den Prof, den Klempner, den Lehrer. Nun sollen also auch die Ärzte bewertet werden. Von den "Kunden". Beurteilungen solcher Art gibt es im Netz schon länger. Einmal ging ich zu einem als besonders "nett" gerateten HNO-Arzt,der mich anherrschte, weil ich zur Begrüßung hatte niesen müssen. 52 von 60 Patienten meinen aber, der Arzt sei "nett". Mein eigentliches Problem ist aber nicht diese kleine Unerfreulichkeit, sondern die Tatsache, dass ich Kassenpatientin bin. Ich darf einige Ärzte überhaupt nicht in Anspruch nehmen, muss länger warten, bekomme viel schwieriger Facharzt-Termine als früher, als ich privat versichert war. Dass sich die Zahlungsfähigkeit des Patienten auch auf die Laune des Arztes auswirken kann, ist der eigentlich Skandal. Insofern weist das Urteil zu den privaten Krankenkassen in die richtige Richtung und bekommt von mir fünf von fünf Sternen. Mindestens.

6/07/2009

Nicht gewinnen können

Als Jugendliche fieberte ich bei den Wahlen mit für eine bestimmte Partei. Wenn die Partei hinzugewann, fühlte ich mich auch als Gewinner. Wenn sie Stimmen verlor, raufte ich mir die Haare vor Ärger. Ich bin dann in diese Partei ein-, und später wieder ausgetreten. Das Parteibuch hatte ich ohnehin schon, leicht angeheitert, in einer kneipenartigen Lokalität verloren. Dort hatte ich es kurz zuvor einer fröhlichen Runde präsentiert, da mir meine politische Einstellung wie eine aufregende persönliche Note vorkam.
Heute gefällt mir keine Partei mehr. Zu neoliberal, zu antiamerikanisch, zu nationalistisch, zu doof. Das ist schade, denn jetzt kann ich nicht mehr gewinnen, sondern nur noch verlieren. Komischerweise rege ich mich dann nämlich trotzdem auf, wenn die CDU die meisten Stimmen bekommt, so wie heute bei den Europawahlen. Ich freue mich im Gegenzug aber nicht, wenn andere Parteien obenauf sind. Ich kann also bei Wahlen nicht mehr gewinnen, nur noch verlieren, schade.

Netzfischer

Bei bestimmten Email-Anbietern erscheinen neben den Emails penetranterweise Werbeanzeigen. Diese stehen auf geheimnisvolle Weise mit dem Inhalt der Emails in Verbindung. Unheimlich und unverschämt ... Allerdings konnte ich mir die Gründe für das Erscheinen der Anzeige "Die Gerüchte sind wahr. Das Mittel, um enorm viel abzunehmen" durchaus noch zusammenreimen. Schwieriger wurde es bei "Hellsehen erster Güte. Exklusives Forum für Soforthilfe durch Experten, liebevoll& diskret". Interessanterweise stand diese Anzeige neben einer Email meiner leicht esoterisch angehauchten Mutter.
Zu verblüffen mochte mich dann aber doch folgende Anzeige neben selbiger Email meiner Mutter:

"Afrikanische Ehefrau
Finden Sie Ihre Afrikanische Frau Für Freundschaft, Liebe und Heirat
www.AfroIntroductions.com"

6/02/2009

Goldene Kims

Kim ist in Ost und West ein beliebter Name. Kim klingt kurz, frech, im Englischen stammt er von "Kimberly", was übertragen mit "Anführer" oder "Kämpfer" übersetzt werden könnte, und er bedeutet im Chinesischen: Gold. Ein wahrer Goldjunge soll nun auch in Nordkorea die Herrschaft übernehmen: Kim Jong-un wird Nachfolger seines Vaters Kim Jong-il, Nachfolger seines Vaters Kim il-Sung, Schöpfer der berühmten Juche-Ideologie. Anscheinend hat Kim Jong-un in der Schweiz immerhin Englisch, Deutsch und Französisch studiert. Er galt als schüchtern und soll sich für Skifahren und Basketball interessiert haben. Die idealen Voraussetzungen also für ein Führungsamt, das Fingerspitzengefühl und Vertrauenswürdigkeit erfordert. Dass die Nordkoreaner, die sich derzeit daran freuen können, dass ihr Lands atomare Stärke beweist, den neuen goldenen Führer und Diktatorensohn kaum kennen: geschenkt. Einfach Kim sagen, mit etwas Ehrfurcht in der Stimme, dann passt es schon.

Lernen

In der Grundschule hörten wir das Weihnachtsoratorium ganz an. Die Lehrerin brachte dazu einen Kassettenrecorder mit. Es war keine Fassung f...