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Castor-Elche

Ex-Raucher sollen ja, so Raucher, "die schlimmsten" sein. Aber auch Ex-Demonstranten können ganz schön ätzend sein. Ich zum Beispiel: Jahrelang habe ich mit jedem Castor-Transport mitgefiebert. Bücher über "Energie Alternativen heute" gelesen. Zwei Mal war ich beim Demonstrieren dabei. Einmal, in Gorleben, saß ich auf den Gleisen, unter einer riesigen Plane, die die alten Demo-Füchse über uns aufgespannt hatten, damit das Wasser der Wasserwerfer locker auf unsere Köpfe prasseln könnte. Leider saß ich ganz hinten, und als gerufen wurde "ableiten!", da leitete ich das Wasserwerferwasser auf der Plane direkt in meinen Nacken ab. Was eine Schüttelfrost auslöste. Ich sah wohl so durch aus, dass der junge Polizist, der mich wegtragen sollte, mich heldenhaft anstrahlte und flüsterte: "Fräulein, keine Angst! Ich bringe Sie hier raus!" Während meine Mitstreiter, beides Männer, an ihren Haaren von den Gleisen gezerrt wurden.
Gestern aber saß ich so an meinem Schreibtisch, und im Radio kam eine Sendung über die diesjährigen Castor-Demonstranten. Die Stimmen der alten Demo-Hasen kamen mir so deutsch, so angestrengt vor. Ächz, dachte ich. Die Sprechchöre, die Gesänge der Demonstrierenden, alles erschien mir öde und bedrückend. Beim Gedanken, dass sich Leute aus Protest einbetonieren lassen, wurde mir übel. Und als dann irgendeiner von der Bürgerinitiative sagte: "Hier nicht! Hier kommt der Müll nicht hin, in unser schönes Wendland" (sinngemäß), dachte ich plötzlich: Na toll, und wohin dann?
Immerhin bin ich dabei ein bisschen erschrocken. Robert Gernhardt wusste es ja schon immer: "Die schärfsten Kritiker der Elche/ waren früher mal selber welche".

Kommentare

Julia hat gesagt…
Liebste, beste,

ob Deines Gorlebenerlebenerlebnisses habe ich jetzt schon wieder die Wachmänner aus dem Schlaf gelacht. Durch die geschlossene, verriegelte Tür. Dafür danke ich Dir von Herzen. Denn a) ist Lachen ja die beste Medizin, und b) sollen sie ja wachen, gell, die Herren Wachmänner.

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